Antizyklische Fiskalpolitik

Mit einer antizyklischen Fiskalpolitik greift der Staat durch wirtschaftspolitische Maßnahmen in die Konjunkturzyklen mit dem Ziel ein, die Volkswirtschaft vor zu ausgeprägten Konjunkturschwankungen zu schützen.

Bei einer sich abzeichnenden Rezession wäre die Erhöhung der Staatsausgaben verbunden mit Steuersenkungen ein antizyklischer Eingriff, bei einer Hochkonjunktur konsequenterweise Steuererhöhungen und die Reduzierung der Staatsausgaben.

Antizyklisch reagieren, um den Wirtschaftszyklus zu beeinflussen

Die antizyklische Finanzpolitik geht auf den Ökonomen Keynes zurück, der eine zu geringe gesamtwirtschaftliche Nachfrage als Ursache für Wirtschaftskrisen ansah. Demnach sollen staatliche Maßnahmen die Konjunkturschwankungen ausgleichen, weil ein stabiles Wirtschaftswachstum dem Staat, den Unternehmen und den Arbeitnehmern gleichermaßen zugutekommt.

Hinweise auf eine Veränderung des Wirtschaftszyklus, ob es also zu einem Abschwung oder Aufschwung der Wirtschaft, zu einer Rezession oder einer Hochkonjunktur kommt, erhalten die Verantwortlichen u. a. durch die Beobachtung der Zuwachsraten des Bruttoinlandsprodukts.

Nur wenn die staatlichen Maßnahmen der Konjunktur entgegensteuern, kann von einer antizyklischen Fiskalpolitik gesprochen werden. Während einer Hochkonjunktur beispielsweise sprudeln für den Staat die Steuereinnahmen, weil die Wirtschaft boomt. Diese Zusatzeinnahmen nutzen Politiker gerne dazu, das Geld weiter zu verteilen, anstatt es für die Reduzierung der Staatsschulden zu nutzen. Dies ist dann kein antizyklisches Vorgehen.

Der Unterschied zwischen expansiver und restriktiver Fiskalpolitik

Bei einer expansiven Fiskalpolitik soll die Wirtschaft durch Steigerung der Nachfrage belebt werden. Dadurch erhöht sich zwangsläufig die Staatsverschuldung, denn die Staatsausgaben erhöhen sich, gleichzeitig sinken die Steuereinnahmen.

Eine Maßnahme für die Ankurbelung der Wirtschaft sind Steuersenkungen, denn folglich haben Unternehmen auf der einen Seite mehr Geld für Investitionen. Auf der anderen Seite können Privathaushalte ihre Konsumausgaben steigern, was wiederum den Wirtschaftsunternehmen guttut, die weiterhin Arbeitskräfte beschäftigen können. Eine weitere Maßnahme ist die Erhöhung der öffentlichen Ausgaben, zum Beispiel für den Bau von öffentlichen Einrichtungen wie Schulen.

Investitionen in die Verbesserung der Infrastruktur sind stets beliebte Mittel zur Konjunkturbelebung. Darüber hinaus sollen gezielt eingesetzte Subventionen den von der Konjunkturschwäche besonders betroffenen Wirtschaftsteilnehmern über Krisen hinweghelfen.

Die Umweltprämie, im Volksmund auch Abwrackprämie genannt, war eine staatliche Maßnahme in den Jahren 2009/2010, die der Autoindustrie nach der Finanzkrise helfen sollte, die Verkaufszahlen von Neuwagen zu steigern. Das Geld hierfür wurde aus dem Konjunkturpaket genommen.

Die restriktive Fiskalpolitik strebt das Gegenteil an: Die Nachfrage soll gedrosselt werden, damit die Wirtschaft nicht überhitzt. Maßnahmen für die Wachstumsbegrenzung sind Steuererhöhungen und die Reduzierung der öffentlichen Ausgaben, denn die Einschränkung der Nachfragenseite dämpft die Wirtschaft ein. Der Staat baut durch die Senkung der Staatsausgaben bei gleichzeitigen Mehreinnahmen Schulden ab und Rücklagen auf.

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