Bezugsrecht

Das Aktiengesetz (AktG) schreibt vor, dass bei einer Kapi­talerhöhung die jungen Aktien den Aktio­nären der AG im Verhältnis ihres Anteils­besitzes zum Erhöhungsbetrag anzubieten sind: Jedem Aktionär muss auf sein Verlan­gen ein seinem Anteil an dem bisherigen Grundkapital entsprechender Teil der neuen Aktien zugeteilt werden.

Für die Aus­übung des Bezugsrechts wird eine Frist von mind. 2 Wochen bestimmt (Bezugs­frist). Der Vorstand hat den Ausgabebe­trag und gleichzeitig die vorgenannte Frist in den Gesellschaftsblättern bekanntzu­machen. Das Bezugsrecht kann ganz oder z. T. nur im Beschluss über die Erhöhung des Grundkapitals ausgeschlossen wer­den. In diesem Fall bedarf der Beschluss neben den in Gesetz oder Satzung für die Kapitalerhöhung aufgestellten Erforder­nissen einer Mehrheit, die mind. % des vertretenen Grundkapitals umfasst. Die Satzung kann eine größere Kapitalmehr­heit und weitere Erfordernisse bestimmen. Ein Beschluss, durch den das Bezugsrecht ganz oder z. T. ausgeschlossen wird, darf nur gefasst werden, wenn die Ausschlie­ßung ausdrücklich und ordnungsgemäß bekanntgemacht worden ist.

Als Ausschluss des Bezugsrechts ist es nicht anzu­sehen, wenn nach dem Beschluss die neuen Aktien von Banken mit der Verpflichtung übernommen werden sollen, sie den Aktionären zum Bezug anzubieten. Der Vorstand hat das Bezugsangebot der Bank unter Angabe des für die Aktien zu leisten­den Entgelts und einer für die Annahme des Angebots gesetzten Frist in den Gesellschaftsblättern bekanntzumachen. Glei­ches gilt, wenn die neuen Aktien von einem anderen als einer Bank mit der Verpflichtung übernommen werden sol­len, sie den Aktionären zum Bezug anzu­bieten. Da Bezugsrechte selbständig han­delbare Werte sind, unterliegt ihre Bewer­tung an den Börsen den Einflüssen, die sich in Angebot und Nachfrage niederschlagen.

Bezugsrechte können während der gesam­ten Bezugsfrist (außer den für die Liefe­rung erforderlichen 2 letzten Tagen) gehandelt werden; die Handelsfrist beträgt 8-15 Börsentage. Wer sein Bezugsrecht nicht ausüben will, kann es über die Börse verkaufen; auch können Käufe oder Zukäufe von Bezugsrechten vorgenom­men werden. Der rechnerische Bezugs­rechtswert wird am 1. Handelstag vom Kurs der Altaktie abgezogen. Wie bei der Ausgabe von Berichtigungsaktien erhält.

Interessenten, die Bezugsrechte erwerben wollen, lassen ihre Aufträge durch die Banken im Bezugsrechtshandel ausfüh­ren. Vom 1. Bezugsrechtshandelstag an werden abgesehen von Sonderregelun­gen die alten Aktien ex Bezugsrecht gehandelt und notiert. Sämtliche Aufträge für die Aktien der AG erlöschen mit Ablauf des vorhergehenden Börsentages. Die Bezugsaufforderung ist spätestens am 4. Börsentag vor Beginn der Bezugsfrist zu veröffentlichen. Bezugsrechte werden nicht variabel gehandelt. Bezugsrechte, über die bis zum vorletzten Handelstag noch nicht verfügt worden ist, werden von der verwahrenden Bank am letzten Han­delstag für das Bezugsrecht zum Verkauf aufgegeben.

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